Interview der ARGE Urnenhain mit Landschaftsarchitekt DI Dr. Christoph Hauser.

DI Dr. Christoph Hauser war als Geschäftsführer der Oberösterreichischen Gartenschauen in Vöcklabruck, Ansfelden und Bad Ischl auch für alle Sonderausstellungen verantwortlich. Im Interview mit Richard Watzke für die ARGE Urnenhain schildert er, worauf es bei Grabmal-Sonderschauen ankommt.

2015 Sisipark 800px

ARGE Urnenhain: Dr. Hauser, Mustergrabstätten auf einer Gartenschau – wie passt das zusammen?

DI Dr. Christoph Hauser: Ein Aspekt von Gartenschauen ist, dass sie sich auch als Leistungsschauen der "grünen Branche" verstehen, und da gehören die Friedhofsgärtner dazu. Deshalb ist bei fast allen Gartenschauen ein Beitrag zum Thema Friedhof zu finden. Unabhängig davon sind die Mustergrabstätten bei den letzten oberösterreichischen Landesgartenschauen auf sehr große Resonanz gestoßen – viele Menschen finden das Thema offensichtlich bereichernd bei einem Gartenschau-Besuch.

ARGE Urnenhain: Erinnern Sie sich an konkrete Äußerungen?

Dr. Hauser: Natürlich wirkt eine Sonderschau zum Thema Friedhof nicht auf alle Besucher positiv. Oftmals polarisieren die Beiträge mit den Grabdenkmalen sogar. Manche Besucher können damit gar nichts anfangen, für andere wiederum ist dieser Bereich der schönste Teil der Gartenschau. Sobald aber der Wunsch formuliert wird, dass der Beitrag über die Laufzeit der Gartenschau hinaus erhalten bleiben soll, ist dies ein sehr gutes Zeichen.

ARGE Urnenhain: Was gilt es bei den Sonderschauen der Steinmetze zu berücksichtigen?

Dr. Hauser: Ganz wichtig ist die Wahl des richtigen Ortes für die Sonderschau. Wir haben immer versucht, einen zwar zentral gelegenen, aber von der Atmosphäre her ruhigen Ort dafür zu finden. Ganz schlimm wäre es, wenn die Präsentation der Mustergrabstätten an einen geschäftigen Messestand erinnern würde. Dies ist deshalb so wichtig, damit sich die Besucher auf das Thema einlassen und auch in Bezug auf ihre persönliche Situation reflektieren können.

ARGE Urnenhain: Welchen Beitrag leisten die Steinmetze bei der Konzeption und Ausführung?

Dr. Hauser: Die Steinmetze sind bei der Konzeption von Anfang an dabei, das heißt, der passende Ort wird gemeinsam ausgewählt, ein zentrales Thema oder eine spezielle Fragestellung wird für die Auswahl der einzelnen Arbeiten festgelegt, die Kriterien für die Auswahl der einzelnen Arbeiten und deren Anzahl werden bestimmt. Die Ausführung wird dann zwischen Gartenschau und Steinmetzen aufgeteilt: Den Bau der Wege und die gärtnerische Gestaltung übernimmt die Gartenschau, das Aufstellen der Muster-Grabdenkmale übernehmen die Steinmetze.

ARGE Urnenhain: Welche gestalterischen Elemente benötigt aus Ihrer Sicht eine persönliche Grabstätte?

Dr. Hauser: Eigentlich nicht viel: ein Objekt, ein Zeichen, ein Name – aber alle drei bewusst miteinander kombiniert.

ARGE Urnenhain: Welche Erfahrungen aus den Sonderschauen können auf Friedhofsgestaltungen übertragen werden?

Dr. Hauser: Zwei Aspekte fallen mir hierzu besonders ein: Erstens der Wunsch nach Individualität, nach der zur Person passenden Grabstätte und zweitens der Wunsch nach positiven Orten des Erinnerns, die von Besuchern auch als Orte der Natur und als Orte der Erholung wahrgenommen werden können.

Zur Person:

DI Dr. Christoph Hauserhauser christoph. 300pxjpg

Nach der Ausbildung als Landschaftsarchitekt an der BOKU Wien 10 Jahre angestellte Tätigkeit in Architekturbüros in OÖ, Geschäftsführer der OÖ. Landesgartenschauen Vöcklabruck 2007, Ansfelden 2011 und Bad Ischl 2015. Seit 2008 freiberuflich tätig mit Büro in Vöcklabruck (Arge raum-planA), Arbeitsschwerpunkte: Raumplanung, Städtebau und Landschaftsarchitektur.

Fotos: (C) DI Dr. Christoph Hauser

 

Suche

Newsletter

Falls Sie über unsere laufenden Aktivitäten informiert werden wollen, melden Sie sich bitte zu unserem Newsletter an!

Zum Seitenanfang