Der sinnvolle Umgang mit der Urne

Im Interview mit der ARGE Urnenhain erläutert Bestatter Kurt Schoosleitner die Unterschiede zwischen Beisetzungen von Urnen in Wandnischen und in der Erde.

 
ARGE Urnenhain: Herr Schoosleitner, wohin geht der Trend bei Urnenbeisetzungen?

Kurt Schoosleitner: In der Region Thalgau wird ein Drittel der Urnen in Urnenhainen beigesetzt, zwei Drittel gelangen in die Erde. Die Form der Erdbeisetzung der Urne steigt spürbar an, sobald eine Gemeinde kleinere Grabflächen speziell für Urnen bereitstellt.

ARGE Urnenhain: Wie unterscheiden sich Urnenhain und Urnenwand?

Kurt Schoosleitner: Im Sprachgebrauch der Bestatter meint der Begriff Urnenhain eine Urnenwand mit Nischen, die durch Platten verschlossen sind. Die andere Form der Urnenbeisetzung sind Urnengräber, bei denen die Urnenkapsel in die Erde gegeben wird.

ARGE Urnenhain: Wo sehen Sie Probleme bei Urnenwänden?

Kurt Schoosleitner: Nicht alles, was praktisch ist, ist auch sinnvoll. Vor zwei oder drei Jahrzehnten war eine Urnenwand neu, man hielt sie daher für eine gute Idee. Mittlerweile weiß man, dass eine solche Wand mit hohen Kosten für die Gemeinde verbunden ist, bei der Gestehung und im Unterhalt. Die Gebühren decken keineswegs die damit verbundenen Kosten.

ARGE Urnenhain: Ist eine Beisetzung in der Erde teurer als in einer Wandnische?

 

Kurt Schoosleitner: Da gibt es grundsätzlich kaum Unterschiede. Die Vorbereitungsarbeiten und die Verabschiedung sind gleich, die langfristigen Kosten für die Allgemeinheit sind jedoch bei Urnenwänden erheblich höher.

ARGE Urnenhain: Sind Trauernde für solche Argumente empfänglich?

Kurt Schoosleitner: Wenn eine Kremation geplant ist, herrscht weniger Zeitdruck als bei einer traditionellen Erdbestattung im Sarg. Nach der Verabschiedung und Kremation können die Angehörigen in Ruhe entscheiden, wie und wohin die Urne beigesetzt werden soll.

ARGE Urnenhain: Wandnischen gelten als pflegeleicht. Stimmt das?

Kurt Schoosleitner: Im städtischen Bereich mag das sein. Bei uns gilt eher die Tradition der Trauerbewältigung an einer Grabstelle. Da spielt auch der Kontakt zur Erde mit. Die Angehörigen wollen zum Grab gehen und dieses pflegen. Durch die Pflege wird auch Fürsorge ausgedrückt und dass man das Andenken an den verstorbenen Menschen pflegt.

ARGE Urnenhain: Welchen Vorteil hat ein Urnen-Erdgrab?

Kurt Schoosleitner: Ein Grab in der Erde ist etwas ganz anderes als eine Wandnische. Der Gestaltungspielraum bei einem persönlichen Urnenstein ist viel größer als bei einer Platte an der Wand, vor allem wenn ein Steinmetz Alternativen aufzeigt, verantwortungsvoll berät und gestaltet. Dazu ist auch ein verstärkter Dialog zwischen Steinmetzen und Bestattern zu wünschen.

ARGE Urnenhain: Was ist bei der Beisetzung von Urnen zu beachten?

Kurt Schoosleitner: Da Urnen-Grabstätten nach Ablauf der üblichen Nutzungsdauer von 10 Jahren neu belegt werden, muss die Urnenkapsel vergänglich sein. Bislang bestanden Urnen meist aus Metallen wie Aluminium. Wenn sich diese Urnen im Laufe der Nutzungsdauer nicht auflösen, fallen bei einer Neubelegung der Grabstelle immer mehr unversehrte Urnenkapseln an. Wenn bei aufgelassen Gräbern keine Angehörigen mehr erreichbar sind, müssen sich Bestatter und Gemeinden mit diesen Urnenkapseln auseinandersetzen.

ARGE Urnenhain: Was geschieht dann mit diesen Urnen?

Kurt Schoosleitner: Nicht selten öffnen wir Gräber und finden mehrere intakte Urnenbehälter aus Metall vor. Manchmal gibt es keinerlei Aufzeichnungen zu den Urnen und niemand fühlt sich zuständig. Das Wohin ist die große Frage. Die Friedhofsverwaltung muss dann einen Platz schaffen, wo solche Urnen erneut beigesetzt werden. Irgendwann ist aber auch dieser Platz voll.

 

ARGE Urnenhain: Wie gehen Sie als Bestatter vor?

Kurt Schoosleitner: Sobald wir beim Öffnen eines Grabes auf intakte Urnen stoßen, wenden wir uns an die Friedhofverwaltung. Bei einem Erdgrab setzen wir diese Urne dann tiefer ins Erdreich,  aber auch das ist keine zufriedenstellende Lösung, denn die Urne bleibt auch dann dauerhaft erhalten. Die sinnvolle Lösung sind verrottbare Urnenkapseln. Es ist Sache des Bestatters, bei der Beratung der Angehörigen darauf hinzuweisen.

ARGE Urnenhain: Wie reagieren die Friedhofsträger auf diese Entwicklung?

Kurt Schoosleitner: Es gibt bereits Gemeinden, die verrottbare Urnenkapseln verbindlich in ihren Friedhofsatzungen vorschreiben. Auch bei Urnenwänden sind diese Kapseln zu empfehlen, denn wenn die Wandnische nach 10 Jahren geöffnet wird, fällt eine intakte Urnenkapsel an, die würdig an anderer Stelle am Friedhof beizusetzen ist, sofern sich kein Angehöriger um die Kapsel kümmert. In einer Gemeinde bei Salzburg wurde ein Gemeinschaftsfeld auf dem Friedhof geschaffen, in das solche Urnen in Zukunft gelangen sollen. Diese Maßnahmen erzeugen Kosten, mit denen man bis vor kurzem kaum gerechnet hat.

ARGE Urnenhain: Wie unterscheiden sich Urnen aus Metall und von verrottbaren Urnen?

Kurt Schoosleitner: Es gibt keine sichtbaren Unterschiede. Die Kapseln bestehen aus verflüssigtem Holzwerkstoff, der verpresst wird. Alle Komponenten der Kapsel sind vollständig biologisch abbaubar.

ARGE Urnenhain: Wie groß ist der Kostendruck durch die intakten Urnenkapseln auf die Gemeinde?

Kurt Schoosleitner: Die Folgekosten durch Umbetten oder Umfüllen kommen erst in den nächsten Jahren voll auf die Gemeinden, und damit die Allgemeinheit, zu. In vielen Gemeinden besteht die Vorschrift, die Asche nach Auflassen der Grabstelle nicht in die Erde einzustreuen, sondern in eine vergängliche Kapsel umzufüllen. Als Bestatter dürfen wir laut Gesetzgeber eine Urne nicht öffnen, diese muss daher zum Umfüllen nach Salzburg ins Krematorium gebracht werden.

ARGE Urnenhain: Was empfehlen Sie einer Friedhofsverwaltung?

Kurt Schoosleitner: Prinzipiell nur noch verrottbare Urnen zu verwenden und Beisetzungen nur in der Erde durchzuführen. Wird eine Grabfläche nach dem Ablauf der Belegungsfrist neu genutzt, gibt es keine Probleme mit erhaltenen Urnen. Kostenmäßig ist die Errichtung von Urnenwänden für die Gemeinde viel teurer als das Bereitstellen spezieller Grabflächen für Erd-Urnen. Die Pflege einer Urnenwand ist ebenfalls deutlich aufwändiger als die Erhaltung der Wege zwischen Grabflächen, da die Flächen selbst von den Angehörigen gepflegt werden.

Über die ARGE Urnenhain

Die Arbeitsgemeinschaft Urnenhain wurde 2011 auf Initiative vom Salzburger Fachvertretungsvorsitzenden der Steinmetzmeister, Helmut Moser aus Seekirchen, gegründet. Derzeit ist sie mit rund 60 Innungsbetrieben im Land Salzburg aktiv, weitet ihre Tätigkeit aber auf ganz Österreich aus.

Die ARGE Urnenhain berät Gemeinden, wie ein würdiges Totengedenken möglich ist und zeigt zugleich anhand von Statistiken und Musterberechnungen die wirtschaftlichste Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Platzes auf. Ebenso zeigt die ARGE Urnenhain anhand von Praxisbeispielen, welche negativen wirtschaftlichen Auswirkungen auf eine Gemeinde durch die Errichtung und Erhaltung von Urnenwänden zukommen.

Ein aktuelles Thema für 2012 ist der würdige Umgang mit aufgelassenen Grabstätten. In der Friedhofsordnung sollte festgelegt werden, was mit Urnen nach Ablauf der Belegungszeit geschieht und wer die Asche umfüllen darf, empfiehlt Helmut Moser. Die ARGE Urnenhain empfiehlt, nur noch verrottbare Urnenbehälter zu verwenden.

 

Bildunterschrift:

Kurt Schoosleitner betreibt eine Bestattungsagentur in Thalgau. Steinmetzmeister Helmut Moser ist Initiator der ARGE Urnenhain und rät allen Berufskollegen, den Kommunen mit Rat und Tat engagiert zur Seite zu stehen.

 

 

Eine Information der

Fachvertretung  Steinmetze
Wirtschaftskammer Salzburg, Sparte Gewerbe und Handwerk
Julius-Raab-Platz 1
A-5027 Salzburg

http://www.steinmetzmeister-salzburg.at

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