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Urnenwände sind keine Lösung

Im Interview mit der ARGE Urnenhain erläutert Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer die negativen Auswirkungen von Beisetzungen in Urnenwänden.

Hallwang, 16.02.2012. Interview von Richard Watzke

ARGE Urnenhain: Herr Gemeindebundpräsident Mödlhammer, wie hoch ist der Anteil der Urnenbeisetzungen im Bundesland Salzburg?

Helmut Mödlhammer: Im städtischen Bereich haben Urnenbeisetzungen einen deutlich höheren Anteil als in ländlichen Gebieten Salzburgs. Dort war diese Bestattungsform bis vor kurzem selten. In Hallwang zum Beispiel erreichen Urnenbestattungen rund zehn Prozent. Im städtischen Bereich liegen sie bei einem Drittel aller Bestattungen. Bei Urnenbestattungen gibt es zwei Formen - die Beisetzung in einer Erd-Grabstätte oder in einer Urnenwand. Besonders die Urnenwand nimmt in vielen Gemeinden stark zu.

ARGE Urnenhain: Wie reagieren die Kommunen auf diesen Trend?

Helmut Mödlhammer: Bei allen Beteiligten setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine Urnenwand nicht die beste Lösung ist. Bestattungsorte sind immer Gedenkstätten.

 ARGE Urnenhain: Was sind Ihre Erfahrungen als Hallwanger Bürgermeister?

Helmut Mödlhammer: Ich bin überzeugt, dass Angehörige vor allem einen konkreten Ort wünschen, der als Gedenkstätte funktioniert, um mit den Verstorbenen in Verbindung zu treten. Wir tendieren daher wieder stärker zu Beisetzungen der Urnen in Erdgräbern. Ist es der Wunsch eines Sterbenden, nicht in der Erde bestattet zu werden, bieten Steinmetzen auch dafür individuelle Lösungen an.

ARGE Urnenhain: Wie wichtig ist der Friedhof für eine Gemeinde?

Helmut Mödlhammer: Der Friedhof erfüllt im kommunalen Geschehen eine zentrale Aufgabe. Das Thema Trauer trifft die Menschen in ihrer Seele. Hier spielen also nicht rationale Argumente die Hauptrolle, sondern Emotionen. Das gilt es als Gemeinde bei allen Entscheidungen rund um den Friedhof zu berücksichtigen. Ein Friedhof ist aber auch eine Visitenkarte der Gemeinde. Nach außen zeigt ein gepflegter Friedhof, dass die Gemeinde Wert legt auf die Würdigung der Vergangenheit. Vor allem aber ist ein Friedhof Ort der Ruhe und Besinnung, um Kraft zu schöpfen.

ARGE Urnenhain: Was geschieht mit Urnen nach Ablauf der Belegungszeit?

Helmut Mödlhammer: Aufgelassene Urnennischen werden zu einem immer wichtigeren Thema für Friedhofsbetreiber. Liegt die Urne in einem Wandfach, verrottet sie in der Regel nicht. Holen Angehörige die Urnenkapsel nach Ablauf der Belegungszeit nicht ab, muss sich die Gemeinde um die anfallende Urnenkapsel kümmern. In Hallwang betten wir solche Urnen in ein Gemeinschaftsgrab um. Ein würdiger Prozess wäre aber auch, wenn die Urne verrotten würde, wie dies in der Regel in einem Urnen-Erdgrab geschieht.

ARGE Urnenhain: Welche Auswirkungen haben Urnenwände für eine Gemeinde?

Helmut Mödlhammer: Allein schon die Gestehungskosten für die Allgemeinheit sind enorm. Wir haben kalkuliert, dass eine Urnenwand für 20 Urnengräber rund 100000 Euro gekostet hätte. Eine solche Wand ist ein aufwändiges Bauwerk mit Fundament. Durch Beratungen mit anderen Gemeinden haben wir auch festgestellt, dass eine solche Wand gestalterisch wie eine Absperrung wirkt und von Friedhofsanrainern abgelehnt wird. Die Hallwanger Gemeindevertretung hat aus diesen Gründen entschieden, keine Urnenwand zu erreichten. Stattdessen werden Urnen in rund 70 x 100 cm großen Grabstellen beigesetzt. Die Entscheidung haben wir im Dialog mit Steinmetzen, aber auch mit Bestattern getroffen, die für die Beisetzung und den Trauerprozess danach individuelle Lösungen für die Angehörigen wünschen.

ARGE Urnenhain: Wie und was können die Steinmetzen zu einer Lösung beitragen?

Helmut Mödlhammer: Der Steinmetz sollte aktiv auf die Gemeinde zugehen und den unmittelbaren Kontakt mit den Verantwortungsträgern der Gemeinde pflegen. Nur durch das persönliche Engagement und den Dialog aller Beteiligten entstehen überzeugende Lösungen im Interesse der trauernden Angehörigen, der Friedhofsbetreiber und aller am Friedhof aktiven Berufsgruppen. Der Steinmetz ist erfahren in der Trauerarbeit. Als Gemeinde verweisen wir daher gerne auf ihn als Ansprechpartner.

ARGE: Welchen Stellenwert hat die ARGE Urnenhain für Sie als Bürgermeister?

Helmut Mödlhammer: Auf der einen Seite gibt es individuelle Wünsche der Angehörigen, auf der anderen Seite die Notwendigkeit der Gemeinde, wirtschaftliche Aspekte zu beachten. Hier hilft nur immer wieder das persönliche, vermittelnde Gespräch mit allen Beteiligten. Vor allem auf kleineren Friedhöfen kann eine Gemeinde nicht viele verschiedene Systeme nebeneinander auf einem Friedhof anbieten. Die Gemeindevorsteher sind froh, dass es kompetente Ansprechpartner gibt, die die politisch Verantwortlichen unterstützen und entlasten. Der örtliche Steinmetz hat hierbei eine große Bedeutung.

Über die ARGE Urnenhain

Die Arbeitsgemeinschaft Urnenhain wurde 2011 auf Initiative vom Salzburger Fachvertretungsvorsitzenden der Steinmetzmeister, Helmut Moser aus Seekirchen, gegründet. Derzeit ist sie mit rund 60 Innungsbetrieben im Land Salzburg aktiv, weitet ihre Tätigkeit aber auf ganz Österreich aus.

Die ARGE Urnenhain berät Gemeinden, wie ein würdiges Totengedenken möglich ist und zeigt zugleich anhand von Statistiken und Musterberechnungen die wirtschaftlichste Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Platzes auf. Ebenso zeigt die ARGE Urnenhain anhand von Praxisbeispielen, welche negativen wirtschaftlichen Auswirkungen auf eine Gemeinde durch die Errichtung und Erhaltung von Urnenwänden zukommen.

Ein aktuelles Thema für 2012 ist der würdige Umgang mit aufgelassenen Grabstätten. In der Friedhofsordnung sollte festgelegt werden, was mit Urnen nach Ablauf der Belegungszeit geschieht und wer die Asche umfüllen darf, empfiehlt Helmut Moser. Die ARGE Urnenhain empfiehlt, nur noch verrottbare Urnenbehälter zu verwenden.

 

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Bildunterschrift:
Helmut Mödlhammer ist Bürgermeister der Gemeinde Hallwang und seit 1999 Präsident des Österreichischen Gemeindebundes. Steinmetzmeister Helmut Moser ist Initiator der ARGE Urnenhain und rät allen Berufskollegen, den Kommunen mit Rat und Tat engagiert zur Seite zu stehen.

Das Interview für die ARGE Urnenhain führte Richard Watzke, Freilassing

Bildtext: v.l.n.r. Fachvertretungsvorsitzender der Salzburger Steinmetzmeister Helmut Moser und Bürgermeister Helmut Mödlhammer, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes

Steinmetze, Fachvertretung
Wirtschaftskammer Salzburg, Sparte Gewerbe und Handwerk
Julius-Raab-Platz 1
A-5027 Salzburg

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