eichwalder edith webInterview der ARGE Urnenhain mit der Trauerrednerin Edith Eichwalder.

 Eine individuell gestaltete Grabstätte erfüllt eine wichtige Rolle in der Trauerbewältigung. Über die unterschiedlichen Phasen der Trauer und die Bedeutung der Trauerarbeit spricht Trauerrednerin Edith Eichwalder im Interview mit Richard Watzke für die ARGE Urnenhain.

 ARGE Urnenhain: Frau Eichwalder, was ist Trauer?

Edith Eichwalder: Trauer ist die spontane, natürliche, normale und selbstverständliche Reaktion unseres Organismus, unserer ganzen Person auf Verlust, Trennung und Abschied – diese Definition vom Diplompsychologen und Psychotherapeut Dr. Jorgos Canakakis möchte ich als Antwort anführen. Der Trauerzustand ist etwas, der bei jedem Menschen von Natur aus vorhanden ist, denn wir alle erfahren zuerst einmal unseren „Urtrauerzustand“, nämlich die Trennung von unserer Mutter – dies passiert schon im Kleinkindalter und jeder spätere Verlust erinnert uns an dieses Geschehen.

ARGE Urnenhain: In welchen Phasen verläuft Trauer?
Edith Eichwalder: Wissenschaftlich erforscht und dokumentiert sind verschiedene Ansätze dazu – unter anderem jene nach Dr. Verena Kast, die diese in vier Stufen einteilt: Nicht wahrhaben wollen – die Betäubungsphase und Schockphase; in dieser Phase sind Betroffene empfindungslos und wie tot. Der Verlust wird geleugnet, Gefühle wie Ohnmacht, Leere, Starre herrschen vor. Danach folgt das Aufbrechen der Emotionen. In dieser Sehnsuchtsphase herrscht ein Gefühlschaos, es werden Gefühle von Wut, Zorn und Angst durchlebt, aber auch Schuldgefühle, ob man alles getan hat.

Die dritte Phase ist gekennzeichnet vom Suchen und sich Trennen – in dieser Verzweiflungsphase sind Einsamkeit, Verzweiflung und Hilflosigkeit die bestimmenden Gefühle. Trauernde suchen gemeinsame Orte auf, führen innere Zwiegespräche mit dem Verstorbenen. Es beginnt die Vorbereitung auf ein Leben ohne den Verstorbenen, ohne ihn zu vergessen.

In der vierten Phase baut sich ein neuer Selbst- und Weltbezug auf. Ein Leben ohne den Verstorbenen oder das Verlorene rückt heran; der Verstorbene wird als innerer Begleiter im Leben gesehen, es wird möglich, das eigene Leben wieder zu gestalten, neue Lebensmuster zu finden und neuen Lebensmut zu fassen. Interessant ist, dass die Sterbephasen, erforscht von Dr. Elisabeth Kübler-Ross, in ähnlicher Struktur verlaufen.

ARGE Urnenhain: Was brauchen Angehörige zur Trauerbewältigung?
Edith Eichwalder: Dies ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Grundsätzlich aber sind es Achtsamkeit und einfühlende Behutsamkeit, mit denen ich trauernden Menschen begegne und die ganz intensive Zugänge eröffnen. Ich erfahre sehr oft dadurch tiefes Vertrauen. Diesem geschenkten Vertrauen begegne ich mit einer sehr wertschätzenden Haltung und dankbaren Resonanz. Einer der wichtigsten Faktoren ist die Zeit, denn jeder Betroffene erlebt die Trauerzeit in seinem eigenen Tempo!

Trauer ist kein linearer Prozess, deshalb sind Rückschritte ebenso normal wie die verschiedensten Ausdrucksformen: Der eine vergräbt sich und der andere sucht Gesellschaft, um sich abzulenken. Unsere sogenannten „Alten“ haben schon immer von einem Trauerjahr gesprochen und sich dieses zugestanden. Trauer darf nicht ins stille Kämmerlein verbannt werden, sie will gesehen, gehört, verstanden und akzeptiert werden, sie benötigt Resonanz.

ARGE Urnenhain: Warum ist Trauern ohne konkreten Ort, ohne Grabstätte so schwierig?
Edith Eichwalder: Die meisten Betroffenen haben das Bedürfnis, einen Platz zu haben, wo man der verstorbenen Person besonders gedenken kann – einen Platz, wo man innehalten kann, wo man sich dieser Person besonders nahe fühlt. In vielen Fällen ist dieser Platz auch die Begräbnisstätte. Dieser konkrete letzte Ort ist aus der Tradition heraus auf einem Friedhof.  Fehlt dieser Ort, weil eine anonyme Bestattungsform gewählt worden ist, haben Hinterbliebene oftmals das Bedürfnis, sich Ersatz-Gedenkstätten zu schaffen.

Es liegt in unserer Natur, sich an etwas festhalten zu können. Ich höre natürlich auch Aussagen wie: „Die verstorbene Person ist ohnedies in unseren Herzen und Gedanken, da bedarf es keines Grabes.“ 

Nachdem der Tod so schwer fassbar ist, brauchen wir gerade hier etwas Greifbares für das Unbegreifliche; etwas, das sichtbar ist, um den nicht mehr sichtbaren Verstorbenen „erlebbar“ zu machen. Hier erfüllt die Grabstätte eine wichtige Rolle und stellt eine Verbindung zwischen der Welt der Toten und der Welt der Lebenden dar.

grabmalpreis gewinner fuchsDie Bundesinnung der österreichischen Steinmetze ehrte in Zusammenarbeit mit dem Steinzentrum Hallein die Gewinner des Denkmalpflegepreises und des Grabmalpreises. Die Urkunden für die 2015 ausgeschriebenen Wettbewerbe wurden auf der Salzburger Messe Monumento 2016 an neun Steinmetzmeister und eine Steinmetzmeisterin überreicht.

Der Denkmalpflegepreis der Bundesinnung würdigt herausragende handwerkliche Leistungen an steinernen Denkmalen aus Stein. Teilnahmeberechtigt für den im zweijährlichen Rhythmus ausgeschriebenen Denkmalpflegepreis sind selbständige österreichische Steinmetzmeister. Kriterien für die Bewertung der eingereichten Projekte sind neben der Beachtung der Grundsätze und Qualitätsansprüche der Denkmalpflege die handwerkliche Ausführung, die Kreativität sowie das Gefühl für den Umgang mit dem Werkstoff Naturstein.

Insgesamt nahmen neun Unternehmen mit 13 Projekten teil. Die Preisträger erhielten am 28. Januar 2016 im Rahmen der Denkmalpflegemesse MONUMENTO 2016 ihre Urkunden aus der Hand von Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker. Gewinner vom Wettbewerb 2015 ist die Wolfgang Ecker GmbH aus Traiskirchen für die Rekonstruktion der Kirchturmspitze der Pfarrkirche Breitensee. Bei der Preisverleihung betonte Ecker die Bedeutung der Steinmetzen in der Denkmalpflege: "Denkmale aus Stein sind allgegenwärtig. Sie sind als Teil unserer kulturellen Identität anerkannt. Der Steinmetz leistet durch seine Arbeit täglich einen unverzichtbaren Beitrag bei der Erhaltung dieser Kulturgüter."denkmalpflegepreis gewinner ecker 02

Für Jurymitglied Mag. Johann Nimmrichter vom Bundesdenkmalamt sind Steinmetzen kompetente Ansprechpartner bei der Erhaltung von Denkmalen aus und mit Stein. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion erläuterte Nimmrichter die Bedeutung der handwerklichen Fertigkeiten, aber auch der Kenntnis der historischen Steinbearbeitungsmethoden, die durch Steinmetzen gepflegt werden.

Steinmetzinnung präsentiert sich auf Fachmesse für Bestattungsbedarf „Devota“ mit Urnenhain und österreichischem Friedhofstag: Gezeigt wurde, was gefragt ist und wohin der zukünftige Weg führt.

„Gestalten wir die Zukunft unserer Friedhöfe“: Unter diesem Motto fand am Freitag dem 25. September der Friedhofstag 2015 statt. Schauplatz war der dafür eigens gestaltete Urnenhain der Steinmetze auf der „Devota“, der Fachmesse für Bestattungsbedarf, in Ried im Innkreis. Die rund 70 Teilnehmer zeigten sich begeistert vom Urnenhain der Steinmetze, „ein einmaliger Ruheort zum Verweilen und Wohlfühlen“ - so das einhellige Fazit, und nutzen den Tag für branchenübergreifende Vernetzung, Diskussion, Reflexion und Weiterbildung.

Der österreichweite Friedhofstag 2015, den das Steinzentrum Hallein, zusammen mit der ARGE Urnenhain und der Österreichischen Steinmetzinnung ausgerichtet hat, begann mit einem Vortrag von Günther Czasny, Geschäftsführer der Strassacker KG (Süßen, Dtl.). Sein Thema: „Friedhof – der Ort, der gut tut“. „Die Weiterentwicklung unserer Friedhofskultur bedarf eines ständigen Dialogs und Austauschs und muss wieder ins Bewusstsein der Trauerkultur rücken!", forderte Caszny, der seit vielen Jahren kulturelle Basisarbeit in der Branche leistet. Die Friedhofskultur sei ein Spiegelbild der Gesellschaft, so Caszny. Veränderungen auf religiöser, sozialer und kultureller Ebene würden dafür sorgen, dass auch die Trauer- und Bestattungskultur einem stetigen Wandel unterliege.

Im Anschluss referierte Dr. Bernd Haintz, Geschäftsführer der Innung der Steinmetze in der Wirtschaftskammer Steiermark,  über „Pflichten am Friedhof aus rechtlicher Sicht“ und klärte die Anwesenden auf, welche Anforderungen und auch Haftungen auf Friedhofsbetreiber, Steinmetze oder Grabberechtigte künftig zukommen werden.
Danach stand Steinmetz Hermann Rudolph, Landesinnungsmeister der bayerischen Steinmetze, auf der Rednerliste. Er setzte sich mit der brisanten Frage „Wie sieht die Zukunft unserer Friedhöfe aus?“ auseinander und zeigte Strategien für mögliche Weiterentwicklungen und daraus resultierende Erfordernisse auf.

FRIEDHOFSTAG am Freitag, 25. September 2015
09.45 – 15.00 Uhr, im Rahmen der Friedhofsmesse
DEVOTA in Ried/ Innkreis








„GESTALTEN WIR DIE ZUKUNFT UNSERER FRIEDHÖFE“

Sehr geehrte Damen und Herren,

unter diesem Motto laden wir Sie herzlich zu unserem österreichweiten Friedhofstag am Freitag, 25. September 2015, im Rahmen der Friedhofsmesse Devota ein. Schauen Sie vorbei und informieren Sie sich über positive Lösungsansätze für Ihre Friedhöfe. Mit hervorragenden Referenten wollen wir Ihnen Einblicke zu verschiedenen Themenbereichen rund um den Friedhof geben. Inmitten unseres Schaufriedhofes findet unser Seminar statt und wir laden Sie zum Verweilen und bewussten Betrachten ein. Im Anhang legen wir Ihnen das Programm und Anmeldeformular bei.

Machen Sie mit und gestalten Sie die Zukunft Ihres Friedhofs, wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Programm und Anmeldeformular:

Interview der ARGE Urnenhain mit Dr. Martina Gelsinger

Im Rahmen von Praxistagen informiert das Kunstreferat der Diözese Linz MitarbeiterInnen der Pfarren und Friedhofsverwaltungen sowie gestalterisch im Umfeld des Friedhofs Tätige über das Thema Urnenbestattung und Urnengrab. Über Zielsetzung und Inhalte spricht Dr. Martina Gelsinger im Interview mit ARGE Urnenhain.

ARGE Urnenhain: Sie haben den Praxistag „Urnengräber – Friedhofsanlagen“ initiiert. Worum geht es dabei?
Dr. Martina Gelsinger: Die Praxistage sind Teil des Bildungsauftrags des Kunstreferats der Diözese Linz und bringen MitarbeiterInnen von Pfarren mit ExpertInnen in Verbindung. In Vorträgen und Exkursionen greifen wir die unterschiedlichsten Fragestellungen aus den Pfarren auf. In der praktischen Arbeit der Pfarren ist hier ein großer Informationsbedarf zu orten. Nach den Praxistagen 2011 und 2012 haben wir den dritten Friedhof-Praxistag am 4. Oktober 2014 direkt auf dem Linzer Barbarafriedhof veranstaltet. Dabei informierten sich rund 50 Teilnehmer über das Thema Urnenbestattung im Kontext christlicher Bestattungskultur. Erörtert wurden theologische und liturgische Aspekte der Urnenbestattung, aber auch landschaftsplanerische Fragen bei Urnenanlagen und juristische Aspekte der Urnenbeisetzung.

ARGE Urnenhain: Mit welchen Fragestellungen befassen Sie sich?
Dr. Martina Gelsinger: Der Praxistag 2014 gab einerseits inhaltliche Impulse aus theologischem Blickwinkel zum Umgang mit der Asche Verstorbener und zum Ritual der Urnenbeisetzung, thematisierte aber auch die gestalterischen Möglichkeiten der Grabstelle als "Ruhestätte". Weitere Aspekte waren rechtliche Fragen rund um die Gestaltung des Friedhofs und den Umgang mit der Urne. Ausschlaggebend war ein Impuls des ehemaligen Verwalters des Barbarafriedhofs, Günther Walch. Die Pfarren und Friedhofsverwaltungen sehen sich mit einem zunehmenden Bedarf an Flächen und Grabstätten für Urnenbestattungen konfrontiert. Ebenso besteht Informationsbedarf nach einer umfangreichen und frühzeitigen Aufklärung und Beratung der Angehörigen zum Thema Urnengrab und die Möglichkeiten individueller Gestaltungsmöglichkeiten.

ARGE Urnenhain: Waren auch Urnenwände Thema des Praxistages?
Dr. Martina Gelsinger: Ein Friedhof ist eine bauliche, aber auch eine kulturelle Angelegenheit. Sobald es um einzelne „öffentliche“ Gedenkstätten geht, zum Beispiel um Anlagen für früh verstorbene Kinder, ist das Kunstreferat der Diözese involviert. Um bei den Urnenbeisetzungen zu bleiben: Noch bis vor 10 Jahren reagierten die Friedhofsverwaltungen auf die Nachfrage nach Urnenbeisetzungen mit der Aufstellung von Urnenwänden. Nicht weil man das als die beste Lösung sah, sondern weil es zum damaligen Zeitpunkt als das einzige bekannte Angebot galt.

ARGE Urnenhain: Wie denkt man heute darüber?
Dr. Martina Gelsinger: Aus vielen Beispielen wissen wir, dass mit einer Urnenwand nur scheinbar eine letzte Ruhestätte geschaffen wird. Betrachtet man das an einer einzelnen Nische, gilt das nur für den Zeitraum der Belegungszeit. Spätestens nach Ende der Belegungsfrist muss ein Friedhofsbetreiber angemessene Lösungen für den Verbleib der Urne und Asche finden. Angesichts der Verantwortung der Kirche als Kulturträgerin und als Institution, die im Rahmen der Seelsorge auch für zukünftige Generationen Trauerrituale und Segenshandlungen anbietet, ist eine Urnenwand keine adäquate Lösung.

ARGE Urnenhain: Welche gesellschaftliche Funktion hat ein Friedhof?
Dr. Martina Gelsinger: Um das zu beantworten, stellen wir uns immer wieder die Frage, was der Auftrag dieses Ortes ist und wie er sich als komplexes Gesamtgebilde verhält. Grundsätzlich gehen wir aus vom Auftrag eines Friedhofs als Ort des Abschieds, des Gedenkens und der Erinnerung, als Ort der Gemeinschaft der Lebenden und der Toten, ganz umfassend auch als öffentlicher, kultureller Ort.

ARGE Urnenhain: Welche Position nehmen Sie gegenüber Bestattungsformen wie Friedwald ein?
Dr. Martina Gelsinger: Waldbestattungen und ähnliche Bestattungsarten mögen wegen der  naturbelassenen Romantik einen gewissen Reiz ausüben. Als Angehöriger muss man sich aber fragen, ob man den Wald als Quelle der Ruhe und Entspannung sieht oder tatsächlich als den angemessenen Ort für das Ritual des Abschiednehmens und die anschließende Trauerbewältigung sieht. Eine Begräbnisstätte sollte immer namentlich gekennzeichnet sein, denn mit dem Namen wird auch die Erinnerung wachgehalten.  

ARGE Urnenhain: Worauf kommt es beim Praxistag an?
Dr. Martina Gelsinger: Anliegen der Praxistage ist, den Teilnehmern einen gewissen Rahmen zur Orientierung in ihrer praktischen Arbeit zu geben, aber auch zu einem kritischen Bewusstsein anzuregen. Wir sprechen das Thema Friedhof umfassend an und legen die Vorträge interdisziplinär an. Dabei konzentrieren wir uns auf Referenten, die keine wirtschaftlichen Interessen vertreten. Im Vordergrund steht stets die christliche Bestattungskultur, in der die Kirche eine jahrhundertelange Tradition besitzt. Bei der Rückbesinnung auf bewährte Trauerrituale wird immer eine theologische und spirituelle Ebene angesprochen. Ebenso behandeln wir gestalterische Ansätze rund um die Grabstätte.

ARGE Urnenhain: Welche Kriterien gelten für die Grabstelle?
Dr. Martina Gelsinger: Die Bestattung Toter ist eines der sieben Werke der Barmherzigkeit. Wegen der Tradition der Körperbestattung sind Friedhöfe ursprünglich in einem auf Menschengröße ausgerichteten Raster angelegt. Die einzelne Grabstelle diente als Ort der Trauerbekundung und als Ort der Stille. Bei der Friedhofsplanung sollten wir daher dieses geschichtliche Raster beachten. Neben der individuellen Grabstätte ist der Friedhof gesamtheitlich als gestalteter Ort zu sehen, für den Friedhofsträger Verantwortung tragen. Hier erfüllt der Steinmetz eine wichtige Rolle gemeinsam mit anderen für den Friedhof Tätigen, mit Theologen, Kulturwissenschaftlern und auch mit Landschaftsplanern. Die Friedhofsordnung sollte das Gesamtbild vorgeben, aber nicht die individuelle Entfaltung an der einzelnen Grabstätte beeinträchtigen. Bei der Gestaltung der Grabzeichen ist aber nicht kurzlebigen Trends, sondern einer soliden, handwerklich qualitätvollen Bearbeitung der Vorzug zu geben.  

ARGE Urnenhain: Welchen Beitrag hierfür können Steinmetze leisten?
Dr. Martina Gelsinger: Hier sehe ich noch ein großes Potential. In Beratungen kann der Steinmetz beispielsweise ansprechen, unter welchen Bedingungen Grabsteine hergestellt werden. Hier könnte der Steinmetz als Handwerker stärker sensibilisieren. Ebenso interessieren sich Menschen dafür, ob ein Grabmal aus Mühlviertler Granit oder aus einem Material hergestellt ist, das einen weiten Weg aus Fernost zurückgelegt hat. Ein gestaltender Handwerker hat die Chance, ein Grabmal nicht als industriell gefertigte Ware anzubieten, sondern als ein individuelles Werk mit einer gestalterischen und haptischen Qualität. Auch bei der Beschriftung gibt es viele Möglichkeiten aufzuzeigen. Erfahrene Handwerker finden das angemessene Maß an Gestaltung, ohne einen Stein durch einen zu ausgeprägten  Gestaltungswillen zu überladen. Durch den Dialog mit den Angehörigen, die sorgfältige Wahl und Bearbeitung des Materials und die Konzentration auf ein auf die Persönlichkeit des Verstorbenen abgestimmtes Motiv zeigt sich meines Erachtens die Kompetenz gut ausgebildeter Steinmetzen.

ARGE Urnenhain: Kann jeder Friedhof individuelle Bestattungsformen ermöglichen?
Dr. Martina Gelsinger: Nur die großen städtischen Friedhöfe haben die Möglichkeit, eine Vielzahl verschiedener Bestattungsarten anzubieten. Je kleiner ein Friedhof ist, desto größer ist die Gefahr, dass die Grundstruktur des Friedhofs in zu viele individuelle Einzelbereiche zerfällt. Um das Problem der entstehenden Überhangflächen zu vermeiden, ist die Belegung sorgfältig zu planen. Empfehlung wie sich die freien Flächen nutzen lassen und nicht die vermeintlich schnellste Lösung einer Urnenwand. Es gibt somit viele gestalterische, planerische und organisatorische Fragestellungen, zu denen wir mit dem Praxistag beitragen wollen. Im Vordergrund steht dabei die Suche nach geeigneten Orten und Lösungen für den würdevollen Umgang mit Urnengräbern.

ARGE Urnenhain: Wie ist die Resonanz in den Pfarrgemeinden?
Dr.Martina Gelsinger: Ein Praxistag regt zum Nachdenken über die Aufgaben, aber auch über die Chancen des Friedhofs als pastoraler Ort an. Ebenso ermöglicht er, mit Menschen, die der Kirche weniger nahestehen, Kontakte zu knüpfen. Bei allen Beteiligten sehe ich ein großes Potential, sich mit den Bedürfnissen der Trauernden intensiver auseinanderzusetzen und angemessene Lösungen für deren außergewöhnliche Lebenssituation anzubieten. Hier sind alle Berufsgruppen rund um den Friedhof gefordert.

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