Die ARGE Urnenhain im Fachgespräch mit Mag. Dr. Bernd Haintz, Geschäftsführer der Landesinnung Steiermark

Mag. Dr. Bernd Haintz, Fachvertretungsgeschäftsführer (Fachvertretung)  Wirtschaftskammer Steiermark, Fachvertretung Steiermark der Steinmetze

Unsere Gesellschaft erlebt in vielen Lebensbereichen einen Wandel. Auch die Bestattungskultur ist davon betroffen. Die steigende Zahl von Einäscherungen wirft eine Vielzahl von Fragen auf. Die

Arbeitsgemeinschaft ARGE Urnenhain sprach darüber mit Mag. Dr. Bernd Haintz, dem Landesinnungsgeschäftsführer Steinmetze / Bauhandwerk der Wirtschaftskammer Steiermark.

ARGE Urnenhain: Welche Vorkehrungen muss der Friedhofsbetreiber bei einer Einäscherung und Urnenbeisetzung treffen?

Mag. Dr. Bernd Haintz: Grundsätzlich ist die Rechtssituation am Friedhof österreichweit sehr uneinheitlich. Der Grund dafür ist einerseits die Landesgesetzgebung in diesem Bereich. Jedes Bundesland hat ein eigenes Leichenbestattungsgesetz und die einzelnen Friedhöfe haben noch eigene Friedhofs- und Gebührenordnungen. Auch ist vieles eben nicht geregelt und hat sich eine gewisse Vorgangsweise eingebürgert. Aussagen hierzu sind als eine allgemeine Richtschnur zu verstehen; im Einzelfall können andere Regelungen bestehen. Ein häufig angesprochener Aspekt ist die Frage bezüglich der Benützungsgebühr: Es ist richtig, dass es sich bei den Verträgen immer um befristete Nutzungsrechte handelt, sowohl bei Erd- als auch bei Feuerbestattungen. Dies dürfte wohl eher praktikable Gründe haben. Wie nun die Benützungsgebühr gestaltet ist, bleibt den einzelnen Friedhöfen überlassen. Von einer einmaligen Pauschale bis hin zu zusätzlichen jährlichen Friedhoferhaltungsgebühren reicht hier die Palette.

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ARGE Urnenhain befürwortet vergängliche Urnen

„Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“ – schon seit Menschengedenken murmeln Geistliche diesen Spruch, wenn ein Mensch zu Grabe getragen wird. Woher er genau stammt, ist nicht überliefert. In der Bibel findet sich keine entsprechende Textpassage. Aber: diese liturgische Formel deckt sich vollkommen mit der Einstellung von uns Christen, wenn wir an unser Ableben denken.

Eine Einstellung, die seit jeher gelebt wurde und den Grundstein zur Entstehung von Friedhöfen in unserer Gesellschaft legte. Der Mensch, aus der gleichen Materie bestehend wie der gesamte Planet, als ein Teil der Erde, kehrt im Tode wieder dorthin zurück, woher er gekommen ist. Friedhöfe sind vergänglich, sie sind dazu da, unsere Hinterbliebenen zu beheimaten. Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub: dieser Aufgabe sind und waren Friedhöfe bzw. ihre Betreiber gewachsen - bisher. Denn zwischen Asche zu Asche schieben sich heute Urnenbehälter, die nicht biologisch abbaubar sind und den Friedhofsbetreibern künftiger Jahrzehnte – so darf man ohne Übertreibung prognostizieren - noch nicht zu ahnende Probleme bescheren werden, warnt die ARGE Urnenhain.

Die Asche wird vielerorts nicht zu Erde, die Asche wird aufbewahrt, wird konserviert – für wen, weiß man nicht. Was man aber sehr wohl weiß: konservierte Urnenasche, die also nicht in Erde übergehen kann, ist ein Problem, das Friedhöfe in Zukunft nicht mehr bewältigen können. Friedhofbetreiber müssen viel Aufwand betreiben, um die nicht biologisch abbaubaren, bzw. vergänglichen Urnenbehälter, die sich ansammeln werden, gesetzeskonform in die Erde beizugeben – ohne konservierungsfähige Urnenbehälter, damit das Problem nicht auf die nächste Generation geschoben wird!

titelseite folder arge urnenhainUrnenwände sind eine Bankrotterklärung an die Friedhofskultur – der neue Friedhofsfolder der ARGE Urnenhain spricht Klartext. Urnenwände brauchen viel Platz, sind wuchtig in Form, witterungsempfindlich, gestatten weder Privatheit und noch individuelle Gestaltung und sind schlussendlich lediglich eine Zwischenlagerung, die nach Ablauf der vereinbarten Frist mit einer anonymen Einbringung in die Erde zu Ende geht. Dieser Unkultur tritt die ARGE Urnenhain, in der die Steinmetz-Innung und das Steinzentrum Hallein kooperieren, auch im zweiten Jahr ihres Bestehens mit Vehemenz - und besagtem neuen Friedhofsfolder entgegen. Dieser Folder, der auch dem DEVOTA Journal in Österreich beiliegt, soll Gemeinden, Pfarrämter und Friedhofsverwaltungen davor bewahren, die immensen Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.

Ein Rückblick: 2011 wurde die Arbeitsgemeinschaft ARGE Urnenhain von der Steinmetzinnung Salzburg gegründet. Anlass boten die vielen Fragen, die der Wandel in der Bestattungskultur bzw. in der Friedhofskultur aufwirft. Die ARGE setzte sich zum Ziel, gemeinsam mit erfahrenen Partnern Friedhofsbetreibern Hilfe anzubieten und kompetente Antworten von Fachfrauen und Fachmänner verschiedener Branchen zu bündeln.

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Die Bundesinnung der österreichischen Steinmetze ehrte in Zusammenarbeit mit dem Steinzentrum Hallein die Gewinner des Denkmalpreises und des Grabmalpreises. Die Urkunden wurden auf der Salzburger Messe Monumento 2014 an 12 Steinmetzmeister überreicht.

Der Denkmalpreis der Bundesinnung zeichnet alle zwei Jahre herausragende Leistungen von Steinmetzen in der Denkmalpflege aus. Teilnahmeberechtigt sind selbständige österreichische Steinmetzmeister. Bewertungskriterien sind die handwerkliche Ausführung, die Kreativität und das Gefühl für den Umgang mit dem natürlichen Baustoff Naturstein.

Am 16. Januar 2014 erhielten auf der großen Messebühne in Salzburg sechs Teilnehmer ihre Urkunden aus der Hand von Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker. In seiner Begrüßung betonte Ecker den wichtigen Beitrag der Steinmetzen in der Denkmalpflege: "Der Steinmetz leistet durch seine Arbeit täglich einen wichtigen Beitrag bei der Erhaltung kultureller Güter."

Für Jurymitglied Mag. Johann Nimmrichter vom Bundesdenkmalamt sind Steinmetzen kompetente Ansprechpartner bei der Erhaltung von Denkmalen aus und mit Stein. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion erläuterte Nimmrichter die Bedeutung der handwerklichen Fertigkeiten, aber auch der Kenntnis der historischen Steinbearbeitungsmethoden, die durch Steinmetzen gepflegt werden.

Mit Kaminen zum Sieg

Die Einreichungen spiegeln die große Bandbreite der Arbeit der Steinmetzen in der Denkmalpflege wieder. Gewinner des Restaurierungspreises 2013 sind die Brüder Norbert und Werner Kienesberger. Die Schlüßlberger Steinmetzmeister rekonstruierten fünf Marmor Kamine in Wien. Die nach einem Großbrand zerstörten Kamine wurden nach einer umfangreichen Bauforschung und Materialsuche rekonstruiert. 14 Tonnen Giallo Siena Broccatello Originalmaterial wurden für den ersten Kamin benötigt. Weitere 20 Tonnen Rohmaterial aus dem Lahntal wurden für die vier weiteren Kamine verwendet und bilden zukünftig den Blickfang in einem Luxushotel am Hof 2, Wien. Bei der Urkundenübergabe erläuterte Ing. Norbert Kienesberger die außergewöhnliche Kombination von modernster CNC-Maschinentechnik und traditioneller handwerklicher Bearbeitung, die die wirtschaftliche und zugleich denkmalpflegerisch hochwertige Realisierung des Auftrags ermöglichte: "Auch ein traditionelles Handwerk wie das der Steinmetzen wandelt sich stetig. Neue Techniken halten in der Arbeit für die Denkmalpflege Einzug" erklärte Kienesberger.

Einen 2. Platz errang Ing. Gabriele Stuhlberger aus Wien für die Sanierung eines Fußbodens aus Gußterrazzo in einem Wohnhaus in Wien-Wieden. Einen weiteren 2. Platz erkannte die Jury Wolfgang Ecker aus Traiskirchen für die Rekonstruktion einer 2,5 Tonnen schweren Dachgaube am Stift Klosterneuburg zu. Den 3. Platz erreichte Ing. Gerhard Fraundorfer aus St. Martin im Mühlkreis mit seiner Rekonstruktion und Sanierung der Wimhölzelgruft am St. Barbara Gottesacker in Linz.

Je eine Anerkennung erhielten Laurentiu Dascalu aus Gaishorn am See für die Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen am Natursteinmauerwerk der Klause Reithtal sowie Richard Ehrlich aus Scheibbs für die Restaurierung eines barocken Hausportals in Sankt Pölten.

Devota 2013 2Die Devota 2013 war ein guter Erfolg. Aus Sicht der Steinmetze, mit Ihren tollen Angeboten rund um den Friedhof, war diese Messe bisher der größte Erfolg.

Es entwickelten sich viele gute Gespräche mit Friedhofsbetreibern, Bestattern und Totengräbern. Auch Endverbraucher waren sehr interessiert an der Möglichkeit einer Urnenbeisetzung im Erdgrab. Viele hatten von einer Urnenbeisetzung jenseits der Urnenmauer keine Ahnung. Der gewünschte Effekt, dass eine Bio Urne im Erdgrab natürlich verrotten kann ist DIE ZUKUNFT auf unseren Friedhöfen und wurde sehr positiv aufgenommen.

Viele Besucher bedauerten, dass diese Präsentation der Steinmetze nicht öfter zu sehen ist. Sie waren erstaunt darüber, dass diese tolle Ausstellung alleine für die Devota erarbeitet wurde.
Die ästetische Wirkung der Urnenwiese gegenüber der Urnenwand war bei allen Besuchern offensichtlich. Das positiver Erscheinungsbild unserer Präsentation passte auch hervorragend in die Vorträge welche im Innenraum der Steinmetzausstellung abgehalten wurden.

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