Interview der ARGE Urnenhain mit Dr. Arnold Reinthaler.

Mustergräber auf der OÖ Landesgartenschau im Stift Kremsmünster bieten Besuchern ungewohnte Sichtweisen auf das Thema Tod und Trauer. Nach einem Konzept des bildenden Künstlers und Steinmetzmeisters Dr. Arnold Reinthaler schufen 13 österreichische Steinmetzbetriebe Exponate, die sich mit der Entwicklung des christlichen Grabmals von der Antike bis in die Gegenwart auseinandersetzen. Den Weg von der Idee bis zur Umsetzung schildert Arnold Reinthaler im Interview mit Richard Watzke für die ARGE Urnenhain.

ARGE Urnenhain: Was macht die Ausstellung in Kremsmünster so besonders?

Arnold Reinthaler: Die Ausstellung ist als Präsentation künstlerischer Arbeiten konzipiert, die auf einen kulturwissenschaftlichen Hintergrund aufbaut. Wir haben uns von Anfang an gegen das herkömmliche Konzept einer Aneinanderreihung kommerziell verwertbarer Grabmäler entschieden. Mit einer schönen Musterschau im Sinne des erhobenen Zeigefingers – Wir zeigen euch jetzt, wie das ideale Grab auszusehen hat, produziert und kauft endlich gute Handwerkskunst – hat unsere Schau nichts gemein. Nicht weil wir Musterschauen, wie es sie seit hundert Jahren gibt, irrelevant fänden. Aber mein Job als Künstler ist es, andere Sichtweisen zu eröffnen, anstatt in das immer gleiche Fahrwasser der ‚Trauerarbeit’ und ihrer Inszenierungen zu tappen.

ARGE Urnenhain: Wie schafft man es, dass Besucher einer Gartenschau auch das Thema Trauer und Grabmal positiv aufnehmen?

Arnold Reinthaler: Indem Grabmäler und ihr Wandel im Laufe der Geschichte selbst thematisiert werden und auf die Ästhetik von Trauerweiden und verklärenden Wellness-Sprüchen verzichtet wird. Ich denke, dass es für Rezipienten interessanter ist zu sehen, wie sich Steinmetze aktiv mit den Umbrüchen des Friedhofswesens beschäftigen, und diese schließlich spielerisch-heiter thematisieren. Wenn über den Tod schon nicht gesprochen werden kann (oder war schon jemals jemand von Ihnen tot?), dann ist es zumindest den Versuch wert, die Vielfalt seiner Abbildungen auf den Friedhöfen vergangener Jahrhunderte zu thematisieren. Ob das positiv aufgenommen wird, kann ich nicht sagen. Mein Ansinnen ist es jedenfalls, die Entwicklung des Grabmals nüchtern und durchaus selbstkritisch darzustellen, anstatt den Steinmetz einmal mehr als den besseren Seelentröster zu präsentieren.

wandel postkarteHERZLICHE EINLADUNG zur Ausstellung Der Wandel des christlichen Grabmals ein Beitrag Österreichischer Steinmetze zur OÖ Landesgartenschau Kremsmünster

vom 21. April bis 15. Oktober 2017 - ERÖFFNUNG: Freitag 21. April 16:00 Uhr - im Garten des Stiftes Kremsmünster, Stift 1, 4550 Kremsmünster

Eine Auswahl von dreizehn Steinmetzen lädt Sie ein, den Wandel von Grabmälern der vergangenen 2000 Jahre nachzuwandern. Beginnend mit dem Grab Jesu werden charakteristische Aspekte repräsentativer Epochen herausgearbeitet und zeitgenössisch interpretiert.

Die einzelnen Stationen der Zeitreise thematisieren markante Umbrüche im Friedhofswesen. Sie verweisen spielerisch auf den Umgang mit dem Begriff Tod und stellen Bedeutung und Tradition des steinernen Grabzeichens in den Mittelpunkt der Ausstellung.

Der Parcours ist eine kritische Auseinandersetzung mit Darstellungsformen des Erinnerns an die eigene Person. Er stellt die Frage, wie zukünftig angemessen – und der Würde des Menschen entsprechend – Grabstätten entwickelt werden können, die Friedhöfe wieder zu einem unverzichtbaren Ort der Trauer, des Erinnerns und des Kommunizierens machen. Wir freuen uns auf euren Besuch!

Österreichs erster Schaufriedhof wurde auf dem Areal der Gartenschule in Langenlois eröffnet. Das Gemeinschaftsprojekt der Berufsgruppen der niederösterreichischen Steinmetze, Gartengestalter und Friedhofsgärtner zeigt vielfältige Grabgestaltungen. Im Vordergrund steht das individuelle Denkmal.

Stelen für Urnengräber: Zum Naturstein lassen sich zahlreiche natürliche und künstliche Materialien wie Glas, Metall und Holz kombinieren. 

Die frei zugängliche Ausstellung mit dem Titel „Lebensgarten – aus dem Schatten ins rechte Licht gerückt“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Berufsgruppen der niederösterreichischen Steinmetze, Friedhofsgärtner und Gartengestalter sowie der Gartenbauschule Langenlois. Als Erster seiner Art in ganz Österreich gibt der Schaufriedhof am Rosenhügel im Langenloiser Schulgarten wertvolle Anregungen zur Gestaltung einer individuellen Grabstätte. Die von erfahrenen Steinmetzmeistern und Steinmetzmeisterinnen gestaltete Dauerausstellung zeigt eine breite Vielfalt an Materialkombinationen und Bearbeitungsarten der Natursteine. Ebenso finden Friedhofsbetreiber Anregungen, wie sich bestehende Friedhöfe an die sich wandelnden Bestattungswünsche und -formen anpassen lassen.

Während der Eröffnungsfeier im Rahmen des Niederösterreichischen Steinmetztages am 8. Oktober 2016 hob der der Bundesinnungsmeister der Berufsgruppe der österreichischen Steinmetze, Wolfgang Ecker, die Signalwirkung der Ausstellung hervor. Auf dem Schaufriedhof sollen die verschiedenen Wege und Möglichkeiten zur Gestaltung einer zeitgemäßen Friedhofsanlage vorgestellt werden, denn nur gemeinschaftlich lässt sich der Wandel in der Bestattungskultur positiv beeinflussen und das Angebot der betroffenen Berufsgruppen nach den aktuellen Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten. „Ich bin überzeugt, dass Friedhöfe auch morgen noch Bestand haben, allerdings nicht mehr in der herkömmlichen Form,“ erklärte Wolfgang Ecker.

Orte, die gut tunlebensgarten langenlois 03

Unabhängig vom jeweiligen Alter berührt der Wandel in der Bestattungskultur alle Teile der Bevölkerung. Gesellschaftliche Veränderungen, die verstärkte Mobilität und der Wunsch nach alternativen Beisetzungsformen führen zu einem tiefgreifenden Umdenken; das betrifft auch den Umgang mit Trauer und Tod. Angehörige suchen nach einem Todesfall aktiv nach Antworten und Hilfe bei der Trauerbewältigung. Von entscheidender Bedeutung ist dabei ein konkreter Ort der Trauer und eine individuell gestaltete Grabstätte, erläuterte Judith Hönig als Vorsitzende der Fachvertretung der niederösterreichischen Steinmetze in ihrer Eröffnungsrede. Anonyme Bestattungen und Beisetzungen außerhalb des Friedhofes hingegen behindern Trauernde laut internationalen Studien dabei, ihren schmerzhaften Verlust zu verarbeiten. Für Judith Hönig zeigt das Gemeinschaftsprojekt in Langenlois, „wie individuell die am Friedhof aktiven Berufsgruppen gestalten können, wie unterschiedliche Materialien harmonisch miteinander wirken und wie sich Pflanzen und Natursteine bei der Grabgestaltung kombinieren lassen“.

Bei der Gestaltung einer zeitgemäßen und persönlichen Grabstätte gilt es vor allem, den Angehörigen zuzuhören und auf die Wünsche und Bedürfnisse einzugehen, erklärte Judith Hönig. Wie diese Vorstellungen dann gestalterisch in Form des persönlichen Grabdenkmals umgesetzt werden, wird angehenden Steinmetzen in Niederösterreich bereits während der fundierten Ausbildung im Lehrbetrieb und an der Berufsschule in Schrems im Dualen System vermittelt.

Interview der ARGE Urnenhain mit Landschaftsarchitekt DI Dr. Christoph Hauser.

DI Dr. Christoph Hauser war als Geschäftsführer der Oberösterreichischen Gartenschauen in Vöcklabruck, Ansfelden und Bad Ischl auch für alle Sonderausstellungen verantwortlich. Im Interview mit Richard Watzke für die ARGE Urnenhain schildert er, worauf es bei Grabmal-Sonderschauen ankommt.

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ARGE Urnenhain: Dr. Hauser, Mustergrabstätten auf einer Gartenschau – wie passt das zusammen?

DI Dr. Christoph Hauser: Ein Aspekt von Gartenschauen ist, dass sie sich auch als Leistungsschauen der "grünen Branche" verstehen, und da gehören die Friedhofsgärtner dazu. Deshalb ist bei fast allen Gartenschauen ein Beitrag zum Thema Friedhof zu finden. Unabhängig davon sind die Mustergrabstätten bei den letzten oberösterreichischen Landesgartenschauen auf sehr große Resonanz gestoßen – viele Menschen finden das Thema offensichtlich bereichernd bei einem Gartenschau-Besuch.

ARGE Urnenhain: Erinnern Sie sich an konkrete Äußerungen?

Dr. Hauser: Natürlich wirkt eine Sonderschau zum Thema Friedhof nicht auf alle Besucher positiv. Oftmals polarisieren die Beiträge mit den Grabdenkmalen sogar. Manche Besucher können damit gar nichts anfangen, für andere wiederum ist dieser Bereich der schönste Teil der Gartenschau. Sobald aber der Wunsch formuliert wird, dass der Beitrag über die Laufzeit der Gartenschau hinaus erhalten bleiben soll, ist dies ein sehr gutes Zeichen.

ARGE Urnenhain: Was gilt es bei den Sonderschauen der Steinmetze zu berücksichtigen?

Dr. Hauser: Ganz wichtig ist die Wahl des richtigen Ortes für die Sonderschau. Wir haben immer versucht, einen zwar zentral gelegenen, aber von der Atmosphäre her ruhigen Ort dafür zu finden. Ganz schlimm wäre es, wenn die Präsentation der Mustergrabstätten an einen geschäftigen Messestand erinnern würde. Dies ist deshalb so wichtig, damit sich die Besucher auf das Thema einlassen und auch in Bezug auf ihre persönliche Situation reflektieren können.

ARGE Urnenhain: Welchen Beitrag leisten die Steinmetze bei der Konzeption und Ausführung?

Dr. Hauser: Die Steinmetze sind bei der Konzeption von Anfang an dabei, das heißt, der passende Ort wird gemeinsam ausgewählt, ein zentrales Thema oder eine spezielle Fragestellung wird für die Auswahl der einzelnen Arbeiten festgelegt, die Kriterien für die Auswahl der einzelnen Arbeiten und deren Anzahl werden bestimmt. Die Ausführung wird dann zwischen Gartenschau und Steinmetzen aufgeteilt: Den Bau der Wege und die gärtnerische Gestaltung übernimmt die Gartenschau, das Aufstellen der Muster-Grabdenkmale übernehmen die Steinmetze.

ARGE Urnenhain: Welche gestalterischen Elemente benötigt aus Ihrer Sicht eine persönliche Grabstätte?

Dr. Hauser: Eigentlich nicht viel: ein Objekt, ein Zeichen, ein Name – aber alle drei bewusst miteinander kombiniert.

ARGE Urnenhain: Welche Erfahrungen aus den Sonderschauen können auf Friedhofsgestaltungen übertragen werden?

Dr. Hauser: Zwei Aspekte fallen mir hierzu besonders ein: Erstens der Wunsch nach Individualität, nach der zur Person passenden Grabstätte und zweitens der Wunsch nach positiven Orten des Erinnerns, die von Besuchern auch als Orte der Natur und als Orte der Erholung wahrgenommen werden können.

Zur Person:

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Nach der Ausbildung als Landschaftsarchitekt an der BOKU Wien 10 Jahre angestellte Tätigkeit in Architekturbüros in OÖ, Geschäftsführer der OÖ. Landesgartenschauen Vöcklabruck 2007, Ansfelden 2011 und Bad Ischl 2015. Seit 2008 freiberuflich tätig mit Büro in Vöcklabruck (Arge raum-planA), Arbeitsschwerpunkte: Raumplanung, Städtebau und Landschaftsarchitektur.

Fotos: (C) DI Dr. Christoph Hauser

 

2016 06 04 steinmetz schwab puch urnenhain 002In Puch bei Salzburg wurde eine Bestattungswiese mit Denkmal für naturnahe Bestattungen errichtet. Die Symbolik gilt für alle Kulturen und Glaubensrichtungen.

Mit der Gestaltung der Anlage für alle Menschen, egal welcher religiösen oder frei denkenden Gesinnung, wurde der Pucher Steinmetzmeister Erich Schwab beauftragt.

Bei der feierlichen Eröffnung im Juni 2016 sprachen die Vertreter unterschiedlicher Religionsgemeinschaften über das jeweilige Verständnis vom Leben und vom Tod. Die Sikhs begannen, als älteste der Religionen, gefolgt vom Vertreter der Buddhisten, der Pfarramtsleiterin der römisch-katholischen Kirche, dem muslimischem Vertreter, dem evangelischem Pfarrer sowie einem Atheisten.
Das Denkmal als Mittelpunkt der Bestattungswiese wurde aus Untersberger Marmor gestaltet. Jedes der beiden Seitenteile, ausgebildet als Tor, wiegt 1,8 Tonnen. Die Symbolik des Denkmales soll wertfrei für alle religiösen Gemeinschaften und Freidenker sein, erklärt Erich Schwab.

Die Grundidee bei der Gestaltung des Denkmals ist ein Menschenleben. Die Öffnung, im oberen Teil des Torbogens, symbolisiert den Mutterschoß, die Sterne in der Grundplatte die Geburt. Die eingravierten Linien stellen das Leben bis zum Tod dar, diese enden in einem einfach gestaltetem Schlussstein hinter dem Tor. Sowohl Sterne als auch Lebenslinien sind unterschiedlich gestaltet, weil kein Menschenleben dem anderen gleicht. Für das Sterben wurde keine Symbolik verwendet. Das formlose Ende der Lebenslinie im Schlussstein versinnbildlicht das Warten auf die Wiederauferstehung, auf die Wiedergeburt, den Wechsel in eine andere Welt oder ins Nichts.

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